Zufriedenheit als Einstellung – Wer mich beleidigt, entscheide ich immer noch selbst!!

Hallo Ihr Lieben,
da bin ich wieder. Die letzten Wochen hat mich die Hitze leider daran gehindert, zu schreiben, ich war zu müde für alles, was mehr als ‘auf dem Balkon liegen’ und ‘fressen’ beinhaltet..
Aber dank des Gewitters gestern bin ich nun wieder fitter und nutze dies gleich, um Euch an meinen Gedanken teilhaben zu lassen, die wie immer schon lange bevor ich sie hier formuliere in mir reifen….
Es geht dabei darum, was ist eigentlich beleidigend und was nicht? Ich habe lange darüber nachgedacht und muss sagen, eigentlich gehts mir ja ziemlich gut: Mich hat noch nie jemand beschimpft, noch nie hat mich jemand fertig gemacht oder gemobbt. Ist das, weil ich eine Katze bin? Weil ich so ein schönes Fell habe? Erst als ich anfing, mich heimlich im Internet zu informieren, hab ich verstanden: Das ist, weil die meisten nicht auf meine Weise kommunizieren. Es ist also gut möglich, dass mich schon viele beschimpft haben, aber ich hab es halt nicht mitbekommen.
Ich begann zu grübeln: Ist es schlimm, wenn ich nicht mitbekomme, wenn andere mich beleidigen? Hab ich jetzt weniger vom Leben? Was, wenn Mami schlecht über mich redet und ich es nicht merke? Wenn sie etwas von mir möchte, gebärdet sie es, oder zeigt es anders. Oft reichen schon ihre Gedanken, ich muss sie nicht hören, ich weiß ja nicht mal, was hören eigentlich ist… Dann fiel mir auf: Wichtig ist doch, was hätte ich denn davon, es zu wissen? Ich würde mich ärgern, ich hätte ein schlechtes Gefühl im Bauch, miese Laune, Lust zu kratzen und zu beißen, mir würde vielleicht mein Futter nicht mehr schmecken und ich wäre noch schlechter gelaunt. Ich hätte also nur Nachteile davon. Wenn ich mich aber darauf konzentriere, was ich tatsächlich habe, sehe ich: Ich bekomme gutes Fressen, Streicheleinheiten und auch sonst fehlt mir eigentlich nichts. Selbst wenn sie also schlecht über mich reden, behandeln sie mich gut. Erst wenn sich das ändert, sollte ich mir Sorgen machen. 
Was bedeutet das also in der Konsequenz? Negative Bemerkungen zu registrieren machen einen nur fertig. Was wir nicht mitkriegen schadet uns also (meistens, ja es gibt IMMER Ausnahmen!) nicht. Wenn wir in einer Sprache beleidigt werden, die wir nicht verstehen, tut es uns nicht weh, weil wir nichts davon wissen.. 
Eigentlich müsste man sich also nur ein dickes Fell gegen Beleidigungen anlegen und fertig. Ja, ich hab leicht reden, mein weißes Fell ist wirklich dick, aber eigentlich ist es gar nicht so schwer, auch für Euch Menschen, die ihr alles wegrasiert, was mal ‘Fell’ ähneln könnte, man muss es nur mal hinterfragen: 
Was hab ich davon, wenn mich eine Beleidigung trifft? Gar nichts. Wie entstehen Beleidigungen? Beleidigen ist nur möglich, wenn zwei Menschen das gleiche NEGATIVE Verständnis von Umständen und Dingen haben: Warum ist ‘Arschloch’ bei Euch eine Beleidigung? Ohne könntet ihr nicht leben. Was ist an einem ‘Schwein’ eigentlich schlecht? Nur weil wir Katzen kein Schweinefleisch vertragen, verdienendiese Tiere das jedenfalls nicht?! Beleidigung funktioniert also nur, wenn Menschen gleich ticken. Das kann man ändern. Wer dich als ‘Hure’ bezeichnet, den nenne halt ‘Beamter’ oder ‘Politiker’ und grinse. Es gibt keinen Grund, das als Beleidigung zu werten. Man kann dich nur so viel beleidigen, wie du zulässt. 
Gegen psychische Gewalt kann man sich wappnen. Die physischen Umstände bekommen wir vorgegeben, die psychischen können wir mit hinterfragen selbst ändern!
Das Geheimnis dabei ist, zu unterscheiden zwischen SELBSTBEWUSSTSEIN und FREMDBEWUSSTSEIN:
Das eine beschreibt, wie zufrieden wir mit uns selbst sind, das andere, wie zufrieden die anderen mit uns sind. Leider vermischen das viele heute. Selbst wenn man das Gefühl hat, keiner liebt einen, kann man zufrieden sein. Ich existiere. Das reicht schonmal. Und es gibt niemanden, der vorschreiben darf, wie dieses existieren aussieht. Damit sind wir wieder bei der ‘Rechtfertigung’, die ich im “Offenen Brief an Herrn Jauch und seine Gäste” thematisierte (bisher habe ich leider keine Antwort erhalten!). “Ich könnte mir mit dir was vorstellen, wenn du nicht behindert wärst!” zum Beispiel, ist ganz leicht beantwortet: “Tja, leider stehe ich nicht auf deine Haarfarbe. Und ich fürchte, dein Charakter gefällt mir auch nicht.” Damit sind zwei Dinge abgeklärt: Die Behinderung ist eine ganz normale Eigenschaft wie die Haarfarbe und, dass man selbst entscheidet und nicht alles nimmt, was sich bietet, weil sich nichts besseres findet. Seid ihr nciht alle schon mal total dumm angemacht worden? Kein Grund zur Unruhe, lächeln, umdrehen, überhören.
“Wenn ich aber nicht behindert wäre, hätte ich längst einen Partner…” Wer sagt Euch das? Keiner kann das wissen! Es ist gut möglich, dass ich nicht so lange in der Pflegestelle gewesen wäre, hätte ich hören können. Dann wäre mein Charakter aber auch ein anderer. Ich wäre eine gaaanz andere Katze. Ob das besser wäre? Auch das kann keiner beurteilen. Was man nicht ändern kann, muss man annehmen und genießen… Leider beziehen die meisten Behinderten Nachteile, die sie haben, immer gleich auf ihre Behinderung. Aber jeder hat das Recht mit etwas nicht klarzukommen. Wenn halt einer nicht damit klarkommt, wenn der Partner im Rollstuhl sitzt, muss man ihm das genauso zugestehen, wie einem anderen, dass er auf Menschen des gleichen Geschlechtes steht. 
Die Botschaft muss sein: “Ich mag mich. Schließ dich an oder lass es bleiben!” 
Dementsprechend muss man auch aufhören, darüber zu schimpfen, wenn nicht-Behinderte über Behinderte berichten. Was soll diese Abgrenzung? Nur weil ich nicht hören kann, gibt es garantiert genug, die völlig andere Erfahrungen und Meinungen haben als ich und finden, dass ich keine Ahnung habe… Wenn falsche Fakten berichtet werden, dann kann das einem Behinderten und einem nicht-Behinderten genauso passieren!?!
Etwas Entspannung täte allen gut. Ja, es ist Mist, wenn es keine Untertitel für die Heuteshow gibt und es ist gut, wenn man darauf aufmerksam macht, aber es als persönlichen Angriff zu werten, finde ich übertrieben. – Man kann auch ohne gut leben! Es ist legitim, eine Katze zu wollen, die gerne schmust, aber es ist nicht legitim, eine Katze zu wollen, die hört? Es liegt nicht jedem alles. Man muss auch seine Grenzen erkennen und akzeptieren. Und wenn ihr noch nicht den Partner fürs Leben gefunden habt, tröstet Euch: Das geht vielen so, vermutlich bleiben den meisten Behinderten nur halt die vielen Deppen erspart, an denen sich andere die Zähne ausbeißen. Es findet schon vorher eine Selektion statt. Seid doch mal dankbar dafür. Wenn sich nämlich jemand mit Euch ‘vegnügen’ würde und sich dann aus dem Staub machen würde, würdet ihr dann jammern ‘nur weil ich behindert bin’… Glaubt ihr denn, das passiert anderen nicht?
Man kann nicht jeden mögen. Also warum darf man Behinderte nicht ‘nicht mögen’?
Wenn ein Politiker wieder Mist redet, dann lasst ihn reden. Gebt ihm nicht die Macht, Euch zu diskriminieren. Es tut Euch nur weh, macht ihn mächtiger als er ist. Er ist auch nur ein Mensch.
Und warum sollten Witze eigentlich beleidigend sein? Warum darf ein Hörender über nicht-Hörende keine Witze machen? Wir Langhaarkatzen dürfen doch auch über die Nacktkatzen witzelnd… Oder Brünetten über Blondinen?! Oder nicht-Hörende über Hörende?! Das führt nur zu einer größeren Barriere in der Kommunikation. Wenn Menschen aus Angst, etwas Falsches zu sagen, gar nichts sagen, finde ich das zum Fell ausreißen, denn das hilft keinem weiter.
Wichtig sind die Taten, nicht die Worte.
Steht auf, damit aus ‘Opfern’ wieder Menschen werden. Akzeptiert Euer Sein mit allen Eigenschaften, dann kann Euch psychisch jedenfalls so schnell nichts mehr schocken. Und dann hören vielleicht auch die Menschen auf, Euch zu bemitleiden, die sich zwar für ‘normal’ halten, aber eigentlich trotzdem immer jammern. Dann müsste man nicht über Begriffe diskutieren, statt Rollstuhlrampen zu bauen und Informationen mit Blindenschrift zu subskribieren!
Es wird eh keine begriffliche Lösung geben, mit der alle zu frieden sind. Baut Brücken statt über ihren Namen zu streiten.
Zufriedenheit ist eine Einstellung. Eine Einstellung, die es erlaubt, sich über Dinge aufzuregen ohne dabei kaputt zu gehen. Sich im Spiegel zu sehen und zu sagen ‘Hey du da, ich mag dich. Schön, dass du da bist! Auf in einen neuen schönen Tag!”

So. Ich geh mich jetzt wieder auf den Balkon legen. Ich bin hier gelandet, weil ich taub bin. Und es geht mir verdammt gut hier. Warum also meckern? 

Meauu, seid geflauscht!

Schneekönigin Kuka

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2 thoughts on “Zufriedenheit als Einstellung – Wer mich beleidigt, entscheide ich immer noch selbst!!

  1. Hallo, habe noch nie so eine tolle Meinung zu der Frage ‘behindert’ oder ‘nichtbehindert’ gefunden. Findet meine volle Zustimmung. Es könnte auch so sein, dass wahrscheinlich alle Menschen mit dieser Art von Klassifizierung eine unsichtbare, d.h. unbewußte Strategie verfolgen, das eigene Selbstbewußtsein aufzuwerten, wenn sie sich glauben machen, ‘scheinbar’ über ihnen stehen zu können. Ich habe Deinen (ich darf doch Du sagen?) Katzenblog – auch eine super Idee übrigens, beim Thema Lierhaus heute gefunden. Also kurzum – ich mag Deine Seiten, wenn ich auch nur kurz reingeschnuppert habe und wünsche weiterhin ‘flauschige’ Zeiten 🙂
    P.S.: Bei uns im Gelände am Wohnblock läuft auch ein Kater herum, der für Mäuse und gestreicheltwerden zuständig ist, den nennen sie alle ‘Dicker’ – den rede ich auch mit ‘Du’ an. Bis die Tage.

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