FunktioNIEREN Teil 2 – Kenne Deine Freunde. Was bleibt?

Hallo Ihr Lieben,

wie versprochen folgt heute der zweite Teil. Denn noch ist nicht alles gesagt. Es gibt noch ein paar ganz persönliche Dinge, über die mal geschrieben werden muss – und vielleicht auch mal gelesen werden muss.

Menschen wie Tiere haben ja ziemlich verschiedene Charakter, manche sind gesellig, andere eher zurückgezogen und schüchtern und manche sind halt irgendwas dazwischen. Das ändert sich auch über die Lebensspanne eher selten, Temperament ist angeboren.

Und doch, unter Druck können sich Menschen tatsächlich ändern, manchmal so sehr, dass sie am Ende gar nicht mehr wissen, wer sie sind – oder wie.  So kann aus einem zurückhaltenden aber offenen Menschen bei genug Ablehnung von außen ein zurückgezogener Mensch werden. Der Mensch muss dabei nicht unbedingt unglücklich werden, aber er wird halt anders. So gibt es Menschen, die sich ihr lebenlang anders verhalten, als sie eigentlich wollen. Manche Menschen sind trotzdem zufrieden, sie kennen es ja gar nicht anders. Andere werden total unglücklich. Und manche bekommen eine zweite Chance. Dann passiert irgendwas in ihrem Leben, dass ihnen die Kraft gibt, sich zu ändern, zu bemerken, dass sie so nicht sind und sich überlegen sollten, was sie wollen.

So ist das, sagt Mami, wenn man nach 11,5 Jahren Schule inklusive Mobbing, einem stressigen FSJ und 2 Umzügen in 3 Jahren mit 22 zurückblickt und sich fragt, womit man eigentlich bisher sein Leben so verbracht hat? 2 Weiterführende Schulen. 2 Umzüge. 2 Studiengänge. ” 2 OPs begleitet und auf deutlich mehr als zwei Widersacher getroffen.

Und 2 Freunde gefunden. So zwei richtig tolle. An dieser Stelle möchte ich betonen, Mami hat durchaus mehr als 2 Freunde, aber beste Freunde hat man selten mehr als 2. Es waren einige Menschen da, die durch diese Zeit begleitet haben, wenn auch die Schulzeit ziemlich einsam war. Aber da sind zwei Menschen, die alles verändert haben, und es wird Zeit, mal über die zu reden: Der eine tauchte in einer Zeit auf, als Schule fast unerträglich geworden war und zeigte ihr, dass jeder Mensch irgendwo jemand finden kann, der ihn mag, egal was die anderen sagen. Dass auch der verachteste Mensch geliebt werden kann, auch wenn er völlig anders ist als der Mainstream und sich nicht an Aussehens-Normen hält.

Wenn so ein Mensch ins Leben platzt, dann sollte man ihn festhalten und auf ihn aufpassen. Auch wenn sich die Zeiten drumherum längst geändert haben, er war der Grund, warum alles besser wurde. Für so einen Menschen tut man dann ziemlich viel oder? Genau das ist der Grund, warum Mami das alles durchgezogen hat. ‘Einfach gehen’ ist nicht immer einfacher als bleiben.

Der andere Mensch trat etwas später in ihr Leben und zeigte ihr, dass sie nicht alleine ist in ihrem Denken. In all der Zeit war er immer für ein paar aufmunternde Worte verfügbar, hat zugehört und mitgedacht. Mami sagt, das ist das Wichtigste überhaupt. Dass einer da ist, wenn sonst grade die ganze Welt aus den Fugen gerät.

Wenn aus den eigenen Reihen geschimpft wird, weil sie es selber nicht  hinbekommen haben. Wenn es dort nicht interessiert, dass zwei junge Menschen versuchen, zu überleben und dabei was anderes als schlechte Nachrichten gut gebrauchen könnten. Dass jemand, der totkrank ist, grade keine Lust auf das gejammere von Menschen hat, die sich eigentlich um ihn kümmern sollten. Wenn der einzige Zufluchtsort der eigene Partner ist, weil der Rest sich als nutzloser Panikhaufen erweist, der miese Stimmung verbreitet. Wenn ‘Essen, trinken, bewegen und auf Toilette gehen’ zum höchsten Gut werden. Wenn die Entzündungswerte ein Ostern in den eigenen vier Wänden fast verhindern. Wenn man nur noch mit Mundschutz aus dem Haus darf. Wenn jede kleine Erkrankung gefährlich wäre. Wenn keiner versteht, dass es nicht nur den Betroffenen völlig fertig macht, sondern auch die, denen sein Wohlergehen am Herzen liegt.

Dann, dann braucht man mindestens einen Menschen – neben einer verständnisvollen Katze, das hilft auch etwas! – der DA ist.

Hierzu sei erwähnt, es waren schon mehrere Menschen, die sich als wirkliche Freunde erwiesen! Gott sei Dank.

Was bleibt also? Es bleibt eine Erkrankung, die hoffentlich die nächsten 15-30 Jahre wartet, bis man sich wieder richtig um sie kümmern muss. Es bleiben Immunsuppressiva, die zu Wachsamkeit gegenüber Krankheitserregern anregen sollte. Es bleiben zwei Menschen, die irgendwie durch all das durchgekommen sind und nun neu leben lernen dürfen und müssen.

Denn stellt Euch mal vor, ihr lebt Monate bis Jahre im Stress. Und plötzlich ist er weg. Die stundenlange Regenerationszeit ist nicht mehr nötig. Statt Kraft sparen kann sie nun genutzt werden. Plötzlich ist konzentration wieder möglich. – Das ist möglich? Ja, doch. Mami verschwand für 1,5 Wochen (so lange war sie vorher noch nie alleine weg!) und kam verändert wieder. Viel mehr Kraft und Elan, ein Bisschen versöhnt mit sich und der Welt. Offen geblieben ist nur ein ganz bestimmtes Danke, eine ganz bestimmte Anerkennung, was zwar längst fällig gewesen wäre, aber niemals gesprochen werden wird. Das ist so. Damit muss man leben.

Was bleibt? Ich bleibe natürlich. Bei Mami und Papi, hoffentlich noch sehr lange. Mami sagt: “Es bleibt das Wissen, wer unsere Freunde sind. Und wo ich suchen muss, wenn ich meine Feinde brauche. Das Wissen, das wirklich geschafft zu haben. Und die Dankbarkeit, dass es bisher gut ausgegangen ist.”

Wir nehmen also das Beste daraus mit: Die Liebe für Freunde, die blieben. Und das Mitleid für die Feinde.

Und wir sagen: DANKE! An alle die da waren und da blieben. Jeder von Euch hat uns ein bisschen gerettet.

Bleibt gesund!

Eure Schneekönigin Kuka

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