Trolle trollen leicht gemacht – Selbstversuch als Trollzielscheibe

Ihr Lieben,

nach so viel körperlicher Gesundheit, müssen wir heute mal über seelische Gesundheit reden. Ich möchte Euch heute Mamis neustes Experiment vorstellen: Ein paar Tage als Zielscheibe von selbsternannten Online-Trollen, die ihre Zeit in sozialen Netzwerken dazu nutzen, möglichst unsozial zu sein.
Schon einige Nutzer sind wegen der Hassattacken zusammengebrochen.
Längst gibt es Nervenzusammenbrüche und auch Suizide wegen dem so genannten Cybermobbing.
Zu Mamis Schulzeiten gab es zwar Mobbing zu genüge, aber nicht online. Die letzten Jahre wurde dies immer mehr zum Alltag und schon lange ist es keine Kinderbeschäftigung mehr, andere öffentlich zu demütigen, auch Erwachsene nutzen diese wenig erwachsene Art des Stressabbaus.
Nachdem Mami immer wieder mitbekommen hat, wie andere auf Twitter angefeindet wurden, hat sie beschlossen, sich einmal selbst zur Zielscheibe zu machen.

Ihre Erfahrungen dazu möchte ich mit Euch teilen, damit alle etwas davon haben:
Immer wieder Zeugin von Hassattacken geworden, beschloss im am Dienstagabend (24.10.16), die Strategien der Trolle kennenzulernen und dabei dem ein oder anderen seine Beschränktheit aufzuzeigen.
Trolle finden ist dabei ganz einfach: Man sucht sich den grade am kontroversesten diskutierten Hashtag (#) auf Twitter raus und nimmt eine Anti-Mainstream-Haltung (auch: Weltverbessererposition) ein, dann kommen die Trolle ganz von alleine.
Ich habe dies mit dem Hashtag #gastoderspast gemacht, Weiteres dazu findet Ihr hier!
Ich habe das Verhalten der Trolle tagelang beobachtet und analysiert und kann behaupten, ich habe neben diversen Beleidigungen auch auf psychologischer Ebene einiges gelernt!

Die wichtigste Trollregel: Trolle niemals alleine!

Schließlich macht Trollen nur mit Publikum Spaß und Mobbing lebt nun mal von einem Machtgefälle: Um zu Mobben, muss man in Zahl oder Position der Zielperson überlegen sein.
Es handelt sich also um ganze Netzwerke, deren Mitglieder aktiviert werden, manche gleichzeitig, andere zeitversetzt, manche aktiv mit Nachrichten, andere passiv durch verbreiten (rten/teilen) und loben (faven/ liken) der Nachrichten.
Alle haben gemeinsam: Sie haben irgendwelche erfundenen Namen und maximal ihre Augen auf ihrem Profilbild. Benehmen haben alle recht wenig, dafür umso mehr Zeit. Manche kleben wie Kletten, andere verlieren nach kurzer Zeit das Interesse. Aber es kommen immer wieder neue dazu, wie so Fruchtfliegen.
Oder um eine treffendere Parallele zu ziehen: könnte man sie auch mit den Römern von Asterix und Obelix vergleichen:
Sie kommen immer wieder und kassieren ihre (verbalen) Prügel, sehen ihre Niederlagen aber nicht wirklich ein. Die spinnen, die Trolle. Aber Zaubertrank kann bekanntlich helfen, man muss nur in einen Kessel voller gesundem Selbstbewusstsein und Verstand gefallen sein: Solange man die Nachrichten als Produkt jämmerlicher Komplexe sieht und nicht persönlich nimmt, können einem die Trolle nicht viel. Es ist lediglich eine Art Psychoterror, gegen den man sich gut wehren kann. Die Methoden sind vielfältig, zielen aber alle darauf ab, den Empfänger in Angst, Wut und Hilflosigkeit zu versetzen und möglichst lange dort zu halten, um eigene Macht zu demonstrieren.
Dies ist nur zu durchbrechen, wenn man sich dessen bewusst wird und die einzelnen Methoden verstanden hat.
Da gibt es die plumpen Beleidiger, die diverse Worte nutzen, um andere möglichst schnell möglichst wütend zu machen. Als Frau bekommt man vermutlich andere zu hören als als Mann.

Hier einige Beispiele:

– Aufforderung, zu putzen oder in die Küche zu gehen
– Body shaming: Aussehen möglichst schlecht machen: Gewicht, Gesicht etc..
– Männer: Kriegst keinen ab, hattest nie wen, bist untervögelt!
-> Daran schließen sie Äußerungen an, die mit Inzest zu tun haben, ebenfalls ohne weiter geistreich zu sein!
– Alter: Ich wurde an einen Tag als 14 jährige, U 16, 30-Jährige und Ü 40 bezeichnet, auch mal gleichzeitig.
– Behinderung: Regelmäßig CAPSLOCKTE mich jemand an mit „OB DU BEHINDERT BIST?“, Autist, Spast etc.
– Gender: Transe in alle Formen
– Prostituierte: Hure(nkind) in Varianten
– Abstammung: Jude (ja, wirklich), Zigeunerin, Rumänin
– Opferblaming: Als Kind geschändet, von der Mutter verstoßen
– Geschlechtsmerkmale: Fotze & Vagina sind also eine Beleidigung. – Werden Männer als Penis bezeichnet?
– Sonstiges: Untermensch, auf Kopf gefallen, Zeugungsfehler, naiv

Interessant hierbei:

Meine Intelligenz wurde erst zum Schluss angezweifelt. Über mich sagt das eher weniger aus, wohl aber über deren Frauenbild. Traurig.
Meine persönlichen Highlights: „Seit wann lebst Du offiziell als Frau?” und „Öko-Schlampen-Fotzenvieh” (Lässt sich prima auf die Melodie von „Alle Vögel sind schon da!“ singen… 😉 ).

Ihr seht, bitte einfach drüber lachen, zu mehr ist das nicht nutzbar.
Und an meinen alten Blogeintrag denken: Beleidigungen funktionieren nur, wenn man etwas Negatives mit den Bezeichnungen verbindet!
Aber dies war nur der plumpe Teil, ich bekam es auch mit psychologischen Tricks zu tun, die ich erst selbst erkennen und verstehen musste:

Sie begannen, sämtliche Aussagen von mir so zu drehen, dass man irgendeine Form von Diskriminierung darauf anwenden konnte; wobei sie sich immer und sofort angegriffen fühlten. Und so gehts dann auch weiter:
Sie reden dir Schuld ein, dass Du andere grade diskriminiert hast. Dabei involvieren sie immer mehr Trolle, denn sie brauchen ja die Plattform, ihren Ruhm. Gleichzeitig reden sie Dir ein, wie einsam Du bist, so ohne Freunde und Partner, den Du mit Deinem Aussehen natürlich nicht hast. Sie machen dich zum arbeitslosen Untermensch, mit Internetsucht und würden jede von Dir ausgeübte Beschäftigung durch den Dreck ziehen.
Sie versuchen Angst zu erzeugen, indem sie dich von angeblichen Hexen verfluchen lassen wollen. Ihre Namen klingen dabei möglichst dramatisch, genauere Präferenzen können sie aber nicht vorweisen! Auch das Drohen beherrschen sie verschieden gut: Manche plump mit einem Bild von Waffen, andere sagen dir bedrohlich “pass auf dich auf Unfälle passieren. Du wohnst ja eh alleine!” Sie nennen sich “King” und schreiben unter Diskussionen, „gewonnen“ mit der Begründung, „muss ich nur keine Mühe geben”. Alles was sie wollen: Dir den Glauben an dich selbst nehmen.
Wenn all das nicht erfolgreich war, packen sie Ihr Photoshop aus – oder doch nur Paint, den Skills nach zu urteilen – und schneiden dich in Bilder rein oder malen dir einen Schleier, um das mit „IS“ zu deklarieren… Sie suchen nach weiteren Netzwerkprofilen von Dir und sind sich nicht zu schade, anzukündigen: “Ich melde mich mit der Mailadresse von deinem Blog jetzt bei Gayporn-Portalen an!” – Bis heute nicht passiert. Sie wollen, dass Du glaubst, sie wüssten alles von dir, auch wenn es nur deine Spam-Mailadresse ist. 😉
Sie faven sich alle immer gegenseitig, um wie eine Übermacht zu wirken – auch nach Tagen noch, man will dich ja möglichst oft an ihre Existenz erinnern, und deine Notifications sind da ihr stärkstes Mittel – und kreieren gerne neue Accounts, um als mehr zu wirken als sie sind. Einfach zu überprüfen: Wenn der Account nur 3 Tweets enthält, von denen zwei Beleidigungen sind und der nur einem folgt, der ihm wiederrum folgt, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass es sich um die gleiche Person handelt! Sie schreiben dir als Pärchen, um ihren Zusammenhalt zu demonstrieren und wie alleine du ja bist. – Was für eine Pärchenbeschäftigung…
Sie hoffen, dass Du drauf anspringst, deine Netzwerkfreunde dazu rufst und Dich in Diskussionen verstrickst, die du verlieren kannst, da sie jede Logik entbehren. Auch zu völlig belanglosen Themen!

Das sind reine Machtspiele.

Außerdem entbehren sie sämtlicher Rechtschreibung; Worte werden geschrieben wie gesprochen und dabei verniedlicht, ist ja alles nur Spaß, nur ein Spiel, das gewonnen hat, wer vom anderen geblockt wird – oder wenn der andere seinen Account löscht.
– Aber mal ehrlich, das war das Schulmobbing doch auch schon immer: Nur ein Spiel. ODER?
Sie versuchen, Dir möglichst viel Privates zu entlocken, um dich unter Druck setzen zu können. Dies tun sie entweder durch plumpe Fragen oder durch das in den Raumstellen von Behauptungen, denen Du widersprechen sollst.
Dabei setzen sie auf dein Grundbedürfnis, nie schlecht da zu stehen. – Wer will schon gerne als einsam und ohne Freunde dargestellt werden? Wer will schon arbeitslos sein? (Na, du hast doch nicht grade wirklich darüber nachgedacht, ihnen deinen Arbeitgeber zu verraten, um dich zu rechtfertigen?!)

Genau das ist die Grundlage des Trollens:
Rechtfertige Dich! Solange, bis Du es nicht mehr erträgst.
Um Dich möglichst lange zu malträtieren, sagen sie dir in regelmäßigen Abständen, dass du eh nicht mehr lange durchhältst, dann alle blockst und mit Anzeigen drohst. Damit wollen sie dich genau davon abhalten! Das Letzte, das sie wollen, sind Anzeigen, die gut und zeitnah mit Screenshots belegt werden können. Schnell wird es zu viel, die meisten verlieren den Überblick und damit die Möglichkeit, sich zu wehren.
Ist ähnlich perfide, wie Kindern zu sagen, sie dürfen nicht petzen, wenn sie geschlagen werden.

Soweit zu den Methoden, nun zum Handeln. das daraus resultiert.
Als allererstes gewöhn dir ab zu glauben, es wäre relevant, was anonyme Menschen im Internet über dich denken.
Es ist egal, ob sie dich für arbeitslos, psychisch krank oder hässlich und einsam halten. Vergiss das niemals!
Dann kannst du nämlich nach außen hin alle anderen raushalten!
Ich habe meine immerhin 1000 Follower gebeten, sich rauszuhalten, mich bloß nicht zu verteidigen. Sie haben sich alle daran gehalten und ich bin sehr froh darüber. Ich habe die Trolle damit sich seIbst überlassen ohne ihnen weiteres Publikum zu bieten. Gleichzeitig habe ich möglichst viele der Nachrichten weiter verbreitet, das schafft Zeugen, sollten sie notwendig sein. Und habe die Beleidigungen sofort gescreenshotet, alles andere war irrelevant, um Anzeige zu erstatten. Dies war nötig, um am Freitag sofort mit ausreichend Material bei der Polizei aufzuschlagen. Nicht, weil mich auch nur irgendeine Nachricht getroffen hätte, aber um andere zu schützen, denn ich bin ja kein Einzelfall!

Über den weiteren Verlauf werde ich beizeiten berichten.
Wichtig: Nicht mit der Anzeige drohen, einfach machen! Ich wurde mehrfach indirekt gefragt, ob ich vorhabe, zur Polizei zu gehen. Ich habe es ignoriert, die Accounts sind ungelöscht viel einfacher zum Nutzer zurückzuführen!
Das hat nichts mit Schwäche zu tun, nicht mal mit empfundener Wut oder richtigem Verletztsein! Die Würde des Menschen ist und bleibt einfach unantastbar! Anzeigen ist KEIN Petzen! Merkt Euch das bitte!
Und was habe ich den Trollen dann geantwortet, wenn schon nicht das von ihnen erwartete Jammern, Fluchen, Schimpfen und mit Anzeigen drohen?
Mein Motto war stets: Die Gegenseite soll sich möglichst offensichtlich strafbar machen, das macht weniger Arbeit!

Dabei bin ich selbst niemals ausfallend geworden, es gibt keine Äußerung, die man rechtlich gegen mich verwenden könnte. Ich habe einen anderen Weg gewählt, die Trolle zu trollen:
Ich habe mich entsetzlich dumm gestellt. Ich habe auf „OB Du BEHINDERT BIST“ mit „natürlich, steht doch in meiner Twitterbeschreibung” geantwortet. Auf Beleidigungen je nach Inhalt mit „Die ist neu“, „Das kannst Du aber besser“ oder „Die hatten wir schon“ reagiert. Habe mir ‘Frau’ definieren lassen und gesagt, ich werde bekocht, ich muss nicht in die Küche. Habe Bilderverunstalter für Kreativität gelobt und auf „Da weiß jemand Neues aus meinem Sexleben, einfach da nachfragen!“ hingewiesen. Ich habe festgestellt, dass Trolle 100 Worte für Penis kennen, aber Liebe nicht. Dass ich schrecklich einsam bin, weil mich niemand verteidigt. Und dass keine Antwort dumm genug ist, um als absichtlich doof erkannt zu werden. Sie glauben dir jede blöde Frage und Antwort, und merken nicht, dass nicht sie dich manipulieren, sondern du sie. Nicht die haben mit mir gespielt, es war andersrum.

Nur dass ich freundlich war, meine Gegenüber kannten eher wenig Hemmungen: So habe ich mehrere eindeutige und weniger eindeutige Aufforderungen zum Suizid erhalten, abgeschwächte Versionen empfahlen mir Selbstverletzung, diverse Aufforderungen, mich zu löschen und wurde auf unlogischste Art und Weise als rechter Flüchtlingshetzer, behindertenfeindlich etc. verleumdet.
Getroffen haben mich nicht die Äußerungen, wohl aber der viele Hass, der offenbar durch die Anonymität noch verstärkt wird. Es lässt sich vor einem technischen Gerät wohl einfacher ausblenden, dass am anderen Ende wirklich ein Mensch sitzt, mit Gefühlen und auch einer Geschichte. Es ist ja nur ein Account, den man löschen kann im ach sooo rechtsfreien Internet.

Sicher? Es ist eben nicht egal, ob Du ein Hakenkreuz in deiner Selbstbeschreibung nutzt oder den Kopf von anderen auf einen nackten adipösen Körper photoshopst. Das ist und bleibt strafbar!
Aber darf sich ja nun die Polizei drum kümmern.

Bis dahin unterhalte ich wohl weiterhin jeden Abend meine Follower mit „Trolle Trollen leicht gemacht“.
Schicke auf Fragen nach Telefonnummern die von Benimmkursen und Jugendhilfe, biete Hilfe bei der Nutzung von Photoshop an.
Und warte auf weitere Manipulationsversuche.

Oder ich werde einfach uninteressant, wir werden sehen.

Ich habe auch schon Trolle erlebt, die mich anbettelten, sie nicht weiter zu nerven und andere davor warnten, mich zu trollen (Goethes Zauberlehrling lässt grüßen!). Und eine Entschuldigung von einem Troll erhalten, der danach ernsthaft um ein Date bat. Es gibt halt nichts, was es nicht gibt!
Aber ich erfreue mich auch seit Tagen an den vielen persönlichen Nachrichten, die mich direkt oder indirekt erreichen: Da machen sich Menschen Sorgen um mein Wohlbefinden, gratulieren mir zu meinem Trollen der Trolle und äußern ihr Entsetzen über so viel dreiste Dummheit im Netz. Ich habe selten so viele liebe Direktnachrichten erhalten wie in den letzten Tagen (die eine „in paar Tagen löschst Du dich freiwillig“, die ich gescreenshotet verbreitet habe, zähle ich nicht dazu, nein!), sonst ist es eher still in meinen Nachrichten.

Auch habe ich einige Follower hinzugewonnen (die Trolle bin ich durch Blocken-Entblocken immer ganz schnell wieder losgeworden).

Außerdem hatte ich zwei sehr interessante Gespräche mit zwei Trollen, die mich lehrten, es gibt verschiedene Arten von Trollen, nicht nur die, die straffällig werden (Beizeiten dazu mehr)!
Die Menschheit ist also noch nicht verloren, es gibt noch ganz viele liebe Menschen, sie sind nur unauffälliger. Danke dafür! Und danke an alle Follower, die die vielen Tweets ertragen haben ohne mich zu verteidigen.

 

Mami wird berichten. Und sollte einer von Euch mit seinen Trollen nicht klarkommen, melde der sich, sie übernimmt das gerne.
Wenn genug Material zusammenkommt, könnte sie glatt eine Uniarbeit daraus machen.

Stay strong!

Schneekönigin Kuka

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